Berichte aus Mosambik

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Die Hoffnung stirbt als Letztes

Eva Köhler weiht Schule in Zimeto ein

Bundespräsident zeichnet Gewerbeschule G6 aus

Über eine Million mosambikanischer Kinder können nicht zur Schule gehen

AIDS-Waisen im Rampenlicht -

Neu in Mosambiks Schulen


Die Hoffnung stirbt als Letztes

von Ernesto Lembke

Wo bleiben meine Schüler? Jeden Morgen stelle ich mir die gleiche Frage. Ich gebe zu, dass es mir als Schüler auch schwer fiel, pünktlich zum Unterricht zu erscheinen. Doch während es bei mir damals oft pure Faulheit war, spielen hier in den Bairros, den Armenvierteln Maputos ganz andere Faktoren eine Rolle. Schon der Morgen ist für die Kinder mit viel Arbeit verbunden. Sie müs-sen für das Frühstück sorgen, und wenn daheim kein Gas gibt, die Kohle zum Glühen bringen. Es ist nie sicher, wie lange der morgendliche Alltag bei meinen Schülern dauert. Ich warte deshalb geduldig und kann es ihnen gar nicht übel nehmen.

Zwei Narben auf der Stirn

Nach einer Viertelstunde warten kommt endlich Edmilio. Ich trage die kleine Tafel nach draußen, während er für sich und für mich einen Plastikstuhl holt. "Bom dia Edmilio", begrüße ich ihn. Er sieht mich mit seinen kleinen Augen schüchtern an. Auf seiner Stirn sind zwei Narben zu sehen. Und ich entdecke immer neue Wunden an seinen Händen und Füßen. Ich mag ihn nicht fragen, woher sie stammen.

Edmilio sitzt mit gekrümmten Rücken auf den Stuhl und lässt seine dün-nen Beine baumeln. Da ich nur wenig Platz auf der kleinen Tafel habe, klebe ich eine kopierte Seite aus einem Buch an den Rand der Tafel. "Wir zählen heute auf Englisch", sage ich ihm auf Portugiesisch. Er nickt nur mit dem Kopf. One, two, three ... wiederholt Edmilio monoton. Nach dem vierten Mal soll er nun alleine zählen. Die Zahlen stehen an der Tafel. Langsam bewegt er seine Lippen, aber es kommt fast kein Ton heraus.

Ich warte einige Minuten. Schließlich frage ich Edmilio, ob er weiß, was er machen soll. Er nickt wieder. "Bist du dir wirklich sicher?" Sim, sim! Aber das stimmt nicht. Ich wiederhole langsam die Zahlen. Das Lernen strengt ihn sehr an. Am Ende der Schulstunde stellt Edmilio die kleine Tafel zurück. Bevor er sich auf den Heimweg macht, grüßt er noch leise und schaut auf dem Weg zum Schultor immer wieder zu mir. Was denkt er? Was erwartet ihn daheim? Von meinem Kollegen erfahre ich, dass er seinen Vater vor drei Jahren verloren hat.

Immer auf der Suche

Es ist Zeit für eine Zigarette. Ich gehe auf die Straße und kaufe mir eine bei einem fliegenden Händler. Alfredo, der Direktor des Projekts, für das ich arbeite, kommt auf mich zu, und bittet mich, ihn zu beglei-ten: "Ernesto, vamos a pasear!" Es ist eng, wie immer in der Chapa. Wir sind auf dem Weg in den Nachbarort Laulane, um Kinder zu besuchen, die seit langem nicht mehr in die Schule gekommen sind. Als er-stes treffen wir den zwölfjährigen Edigio. Er lebt mit seinen zwei Geschwistern in einer kleinen Strohhütte. Seine Eltern sind gestorben. Der einzige Schutz, den er hat, ist ein stachliger Busch. Hierhin flüchtet er bei Gefahr. Edigio kocht sich etwas Hirse mit einer Aubergine. Alfredo runzelt besorgt die Stirn. Er fragt Edigio auf Shagaan, wo denn seine ältere Schwester Luisa sei. In der Schule, behauptet er. Wir haben kein gutes Gefühl, als wir ihn wieder verlassen.

Einige Häuser weiter treffen wir die einzige Person, die sich um Edigio und seine Geschwister kümmert. Stelia gibt den Kindern ab und an etwas zu essen und hört ihnen zu, wenn die Sorgen besonders groß sind. Stelia ist der einzige Halt für die drei. Aber in Afrika ist Glück auch immer mit Pech verbunden. Stelia hat Aids, wie viele Erwachsene in Mosambik. Ob sie sich noch lange um die Kinder kümmern kann, weiß keiner.

Der Staub der Sandstraßen

Alfredo fragt Stelia nach Luisa. Sie antwortet dasselbe wie Edigio, aber genau weiß sie es nicht. Wir machen uns auf den Weg zur Schule. Die Sonne brennt, der Staub der Sandstraßen sticht in der Nase. Ich bin erschöpft. Wir kaufen uns zwei Orangen am Straßenrand. Der Weg zur Schule erweist sich viel länger als erwartet. Ich bin erstaunt, dass Alfredo sich in dieser Gegend so gut auskennt. Alles sieht hier verwirrend gleich aus. Zwischen einzelnen Palmen stehen immer die gleichen herunter gekommenen Steinhütten. Alleine wäre ich hier hoffnungslos verloren.

Wo ist Luisa?

Die alte Flagge Mosambiks weht auf dem Schulhof. Die Kinder suchen Schatten in den überdachten Ecken, von denen es aber nicht genug gibt. Auch in den drei Klassenräumen ist kaum Platz. Im Gedränge versuchen wir, Luisa zu finden. Auch der Lehrer kann sich nicht an sie erinnern. Er ruft ihren Name in die Klasse. Keine Antwort. Ich frage ihn, wie viele Kinder er in einer Klasse hat. 70 bis 90 antwortet er. Luisa ist heute nicht darunter. Wahrscheinlich bettelt sie in den Straßen Maputos.

Ein Traum

Zurück in Chapa erzählt mir Alfredo, wie hilflos er sich fühlt, wenn er diese Kinder sieht. Ich frage ihn, ob es nicht Soziale Zentren gibt, wo diese Kinder unterkommen können. Die gibt es. Doch die staatlichen Anstalten sind hoffnungslos überlastet. Und im SOS-Kinderdorf kostet es 1000 Dollar, ein Kind ein Jahr lang unterzubrin-gen. Das kann hier niemand bezahlen. Alfredo erzählt mir von seinem Traum, aus unserer Behelfseinrich-tung eine richtige Schule zu ma-chen mit einer Kantine, um den Kinder in den Bairros vielleicht ein bisschen Chance auf eine Zukunft zu ermöglichen. Ich sage ihm, die Hoffung stirbt als letztes. Er lächelt.

mit freundlicher Genehmigung hier veröffentlicht

Eva Köhler weiht Schule in Zimpeto Velho ein

Über 15.000 Kinder in Mosambik lernen in Schulen, deren Bau vom Weyher „Eine-Welt-Forum“ vollständig oder teilweise unterstützt wurde. Eva-Luise Köhler, Deutschlands „First Lady“, zeigte sich beeindruckt, als sie die Primarschule in Zimpeto Velho einweihte. Pünktlich um zwölf Uhr zerschnitt sie das symbolische Eröffnungsband. „Die Schule in Zimpeto Velho ist ein gutes Beispiel für deutsch-mosambikanische Zusammenarbeit“, stellte sie fest und sagte den Grundstock für die Einrichtung einer Schulbibliothek zu.
Während des Staatsbanketts am Abend hatten die Weyher Lehrer Annegret Löhr, Beate Auner-Diegel und Ulrich König die Gelegenheit, mit den Köhlers über das Engagement des „Eine-Welt-Forums“ zu diskutieren.

Schüler mit dabei

Vier deutsche SchülerInnen reisten in der Delegation des Bundespräsidenten mit. Eine der Schülerinnen, Monika Böhnke, besucht die Liebfrauenschule in Nottuln. Die Schule ist Mitglied des KKM und unterstützt eine Schule in Jécua bei Chimoio. Auf der Reise führten zwei Schülerinnen Tagebuch:
2. April, im Flugzeug: Irgendwann sagt jemand, Horst Köhler wolle die Schüler sprechen. Wir sind etwas überrumpelt. Nervös gehen wir im Gänsemarsch in den Besprechungsraum in der Maschine und plötzlich sitzen wir mit dem Bundespräsidenten auf einem Sofa. Er begrüßt uns und erkundigt sich ob wir Fragen haben, doch wir sind alle viel zu aufgeregt und daher stumm. Er übergeht das sehr professionell und erzählt von seinem Ansatz, in Afrika Hilfe zur Selbsthilfe zu fördern und erklärt auch im Grunde unsere Aufgabe auf der Reise: Eindrücke sammeln, ohne zu werten und die Erfahrungen, die wir machen, an andere Jugendliche weiter tragen.

3. April, Ankunft: Mit militärischen Ehren und 21 Kanonenschüssen werden wir empfangen – alles sehr neu für mich. Wir stehen auf dem Flughafen rum. Von der Stadt ist noch nicht viel zu sehen. Es ist warm, doch der Himmel bewölkt. Die Luft ist feucht, man spürt die Tropen. Als die Zeremonien vorbei sind, die allesamt eher steif als afrikanisch fröhlich sind, steigen wir in die Autos, wir die Schüler plus David Schwake in Wagen 6. Begleitet von „weißen Mäusen“ (Polizisten auf Motorrädern) fahren wir durch die Vororte von Maputo. Es ist Afrika, wie man es aus dem Fernsehen kennt. Staubig, Wellblechhütten, Frauen, die Waren auf ihrem Kopf transportieren und kleine Luft ist feucht, man spürt die Tropen. Stände an den Straßenrändern, wo Obst, Kohle oder Holz verkauft wird. Durch die Fensterscheiben bleibt die Unwirklichkeit bestehen…

JOVIAL das „Jugendfreundliche Ge- sundheitszentrum“, das wir als nächstes besichtigen, beeindruckt mich stark. Hier machen Jugendliche für andere Jugendliche Aufklärungsunterricht. Das Mädchen, das uns durch die Räume führt, ist bestimmt zwei Jahre jünger als ich und besitzt so viel Selbstbewusstein. Sie erklärt alles sehr genau und sehr bestimmt ohne einen Anflug von Nervosität. Anschließend wird uns ein Theaterstück der Jugendlichen zum Thema AIDS gezeigt. Obwohl natürlich portugiesisch gesprochen wird, versteht man die Problematik und die Geschichte, und außerdem überzeugt letztendlich das schauspielerische Können der jungen Leute. (Elise Fräulin)

4. April, 11.30 Uhr: Nun machen wir uns auf den Weg zu „Rádio Moçambique“, ein Radioprogramm für Kinder und Jugendliche, das von Kindern gestaltet und selbst moderiert wird. – Noch wissen wir nicht, dass für uns auf dem Podium Plätze reserviert sind und wir an einer Live-Sendung beteiligt sind, in der wir zum Thema „Jugend in Deutschland“ interviewt werden. Auch Frau Köhler und die mosambikanische First Lady nehmen an dieser Gesprächsrunde tei und nehmen zum Abschluss Stellung zum Thema „AIDS“. – Ich war total aufgeregt, denn die ganze Zeit lief das Kamerateam der ARD im Saal umher, um die Sendung zu dokumentieren. (Monika Böhnke)
Die Reisetagebücher der Schülerin- nen Monika Böhnke und Elise Fräulin finden Sie unter: www.bundespraesident. de.

Auszeichnung für Gewerbeschule 6

Eine weitere Begegnung mit einer KKM-Schule hatte der Bundespräsident während der Preisverleihung des Wettbewerbs „Alle für EINE Welt – EINE Welt für Alle“ im Mai im Schloss Bellevue.

Die Beteiligung war riesig. Mehr als 20.000 Schüler und Schülerinnen mit insgesamt über 540 Projekten nahmen an dem Wettbewerb teil. Aus ganz Deutschland gab es Wettbewerbsbeiträge unterschiedlichster Art, von Spielen und Büchern bis hin zu Theaterstücken und Internetseiten.

Mit dabei auch eine große Holzmappe mit schöner aufwändiger Intarsienarbeit auf dem Deckblatt – der ganze Stolz der Tischlerlehrlinge, die an der Gewerbeschule G6 in Hamburg den theoretischen Teil ihrer Ausbildung absolvieren. Worum es bei diesem Beitrag geht, wird auf den ersten Blick klar: „Mosambik“ prangt in großen hellen Lettern auf der Front, darunter zwei Hände – eine weiß, eine schwarz – die sich einander entgegenstrecken. In der Mappe sind viele Fotos aber auch viel Text. Hier wird gezeigt und beschrieben, wie die Schüler sich in vielen Fächern mit dem Thema Mosambik beschäftigen. Der Schwerpunkt liegt hierbei auf dem gemeinsamen Handwerk. Es werden Fragen gestellt wie: Wie arbeiten Jugendliche in Mosambik? Wie sieht das Leben in Mosambik aus? Was gehört zu der Grundausstattung eines Tischlers in Deutschland und in Mosambik? Wie können wir diese entwickeln und produzieren? Die Antworten finden die Klassen im Internet, durch Videos und vor allem durch Gespräche miteinander und mit ihrem Klassenlehrer Rainer Maehl, der schon oft Mosambik bereist hat. Die Fotos zeigen Schüler im Praxisunterricht, die einen Hobel so bauen, dass er auch inMosambik mit den dortigen Mitteln hergestellt werden kann. So lernen Schüler in Hamburg Produkte zu entwickeln und zu produzieren, die in Mosambik einem Jugendlichen den Einstieg in das Berufsleben als Tischler ermöglichen können. Um mehr über das afrikanische Land zu lernen und Projekte mit mosambikanischen Jugendlichen durchzuführen fährt eine Gruppe Schüler im Sommer 2006 nach Mosambik.

„Bei soviel Engagement war die Freude natürlich groß als die Mappe von der Jury unter die besten zwölf Beiträge gewählt wurde und wir als angehende Tischler zur Endausscheidung nach Berlin eingeladen wurden…. Wir staunten nicht schlecht, als Bundespräsident Köhler in seiner Begrüßungsrede ausführlich auf das Tischlerprojekt in Mosambik hinwies und erwähnte, dass ihn die große Holzmappe schwer beeindruckt hätte, um dann von seinen eigenen Erfahrungen in diesem Land zu berichten, das er erst vor kurzem besucht hat.

Das I-Tüpfelchen folgte bei der anschließenden Präsentation der Beiträge. Wir bekamen die Möglichkeit, dem Bundespräsidenten und der Entwicklungsministerin unser Projekt in einem intensiven Gespräch vorzustellen. Herr Köhler freute sich vor allem darüber, dass die Schüler Mosambik bereisen würden und so wertvolle Erfahrungen mit zurück nach Deutschland bringen können“.
Von Christine Herdemerten, Schülerin an der Gewerbeschule 6 in Hamburg

Über eine Million Kinder können nicht zur Schule gehen

Über eine Million mosambikanische Kinder im Schulalter können 2004 keine Grundschule besuchen, einfach weil es an Schulräumen fehlt. Wie der Planungsdirektor im Erziehungsministerium Virgilio Juvane mitteilt, führt vor allem der Mangel an Schulen und Lehrern zu dieser Situation . Die in Rede stehenden Kinder sind zwischen 6 und 13 Jahren alt und sollten im Prinzip die Primarschulen Klassen 1 - 7 besuchen. Juvane sagte AIM gegenüber, dass das Problem nur nach und nach in den Griff zu bekommen sei, indem man die Schulen ausweite und mehr Lehrer ausbilde. Was die Lage noch kompliziert ist die Tatsache, dass sich die Zahl der Kinder durch die aufstaut, die in den vergangenen Jahren schon nicht eingeschult wurden, entweder weil kein Platz für sie da war oder weil die Eltern sie nicht rechtzeitig anmeldeten. Im Prinzip sollten die Kinder angemeldet werden, wenn sie sechs Jahre alt sind. Aber aufgrund der Probleme in der Vergangenheit, sind im ersten Schuljahr viele Kinder, die erheblich älter als sechs Jahre sind.

Trotz all dieser Schwierigkeiten, werden in diesem Jahr viel mehr Kinder zur Schule gehen können als 2003. Dank der Errichtung vieler neuer Schulen im letzten Jahr, erwartet das Ministerium, dass 2004 etwa 731.000 Kinder im ersten Schuljahr beginnen können (Vergleichszahl von 2003: 685.000) Juvane erwähnte jedoch, dass es nach der Statistik von 1997 nur 547.000 sechs Jahre alte Kinder im Lande gibt. "Das zeigt, dass wir zwar alle sechs Jahre alten Kinder einschulen könnten", sagte er, "aber das geschieht nicht, weil wir noch eine Menge älterer Kinder aus den Vorjahren haben, die eingeschult werden müssen."

"Um eine Million Kinder in unserem Erziehungssystem zu unterrichten, selbst bei einem Betrieb in zwei Schichten, brauchen wir mindestens 10.000 neue Klassenräume", sagte er. In dem derzeitigen Schritttempo würde das 10 Jahre dauern. Juvane ist jedoch optimistisch, dass das Tempo von diesem Jahr an beschleunigt werden kann. Ein neues Bauprojekt könnte, wenn es entsprechend eingeführt würde zu 6.000 neuen Klasenräumen im Jahr führen.

Außerdem müßten viel mehr Lehrer ausgebildet werden. Das derzeitige Lehrer/Schüler Verhältnis ist 1 zu 64. Das Ministerium will diese Rate wenigstens auf 1 zu 50 senken. Das aber erfordert Geld,nicht zuletzt, um die Gehälter der Lehrer zu zahlen. Die mosambikanische Regierung steht jedoch unter Druck des IWF, der fordert den Ausgabenposten für Gehälter zu senken.

Ein weiteres großen Problem des mosambikanischen Erziehungssystems ist die Tatsache, dass die Anzahl der Schulplätze in den höheren Klassen dramatisch abnimmt . Die größte Zahl der Schulplätze gibt es in den ersten fünf Jahrgangsstufen. Für das sechste Schuljahr sind in diesem Jahr nur 197.000 Plätze verfügbar und für das 8. Schuljahr , also für den Beginn der Sekundarstufe, sogar nur 56.000. Für die 11. Klasse gibt es nur mehr 11.000 Plätze.

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AIDS-Waisen im Rampenlicht

Maputo, 28. Nov. 2003 (IRIN) - In Jeans und rosa T-Shirt steht die 12jährige Sheila Daniel zuversichtlich vor einem brechend vollen Saal mir 200 Menschen. " Wir wollen zur Schule gehen, Schulmaterial haben, wollen Gesundheitsversorgung haben , wollen spielen und geliebt werden", sagt sie. "Eines Tages möchten wir Doktoren und Ingenieure sein, so daß wir für unsere Familien und andere Waisenkinder sorgen können."

Sheila sprach auf dem ersten Nationalen Seminar Mosambiks für Kinder die durch HIV/AIDS zu Waisen und verwundbaren Kindern gemacht wurden .Das Seminar fand vom 24. Bis 28. November in der Hauptstadt Maputo statt.

"Ich will meiner Mutter helfen", sagte sie zu IRIN. Ihre sichere Stimme schwankte ein wenig als sie erklärte, daß ihr Vater an einer AIDs-bedingten Krankheit gestorben sei. "Er starb am 3. Februar 2002", sagte sie. Sheila lebt nun allein mit ihrer Mutter und ihrem Bruder, dem 8 jährigen Danubio.

Sheila wurde von dem Kindernetz (Rede da Crianca), einem Netzwerk von lokalen NGO's (Nicht-Regierungs-Organisationen), das mit Kindern arbeitet, ausgewählt, um ein eintägiges Treffen von 40 Kindern einen Tag vor dem nationalen Seminar zu leiten.

Alle diese Kinder waren entweder Waisen durch HIV/AIDS oder direkt von der Epidemie betroffen, die bereits 13 % der erwachsenen Bevölkerung erreicht hat.

"Ich hatte ein wenig Angst, dieses Treffen zu leiten. Es war das erste Mal, daß ich die Möglichkeit hatte, andere Waisen zu treffen. Wir sprachen über unsere Probleme und welche Hilfe wir brauchen, um mit ihnen fertig zu werden. - Wir haben alle die gleichen Probleme. Ich hoffe, daß die Leute, die in diesem Seminar zusammengekommen sind, uns helfen werden", sagte sie zu IRIN.

Teilnehmer des Seminars, das vom Ministerium für Frauen und der Koordination Sozialer Aktionen (MMCAS) veranstaltet und von einer Reihe internationaler Organisationen und NGO's unterstützt wurde, waren sich bewußt, daß eine Riesenaufgabe vor ihnen lag.

Graca Machel, Präsidentin der Foundation for Community Development (FDC) [Gesellschaft für kommunale Entwicklung] sagte, dass vordringlich genauere Daten erfaßt werden müßten über Zahl, Lebensumstände, Alter ,Geschlecht und Bedürfnisse der Waisen. Neben grundlegender sozialer Versorgung und Sicherstellung, dass sie diese auch ohne Schwierigkeiten bekommen, müßten die Waisenkinder auch emotionale und moralische Unterstützung erhalten, Schutz und Liebe.

Offizielle Zahlen sprechen davon, dass Mosambik mehr als 500.000 Aids-Waisen hat, denen die Mutter fehlt. 500 HIV-Neuinfektionen pro Tag werden vermutet und bis jetzt gibt es in diesem Jahr 94.602 AIDS-Tote.

Im Augenblick scheint kein Ende der sich immer noch verschlimmernden Krise in Sicht. In Zentralmosambik sind 26,5 % der Menschen zwischen 15 und 49 Jahren mit dem Virus infiziert.

Wie in den anderen Subsahara-Ländern, die von der Epidemie betroffen sind, war es meist die weitere Familie, die für die verwaisten Kinder sorgt, aber viele dieser Familien leben selbst in drückender Armut und haben Mühe bei dem Nahrungsmangel im südlichen Afrika für sich selbst genügend Nahrung zu finden.

"Die Waisen-Situation braucht eine schnelle Antwort. Sie muß oberste Priorität für alle Regierungsbeteiligten, alle Nichtregierungsorganisationen und die Zivilgesellschaft erhalten und dies muß auch bei der Verteilung angemessener und finanzieller und personeller Ressourcen berücksichtigt werden ", sagte Marie-Pierre Poirier vom UN Kinderhilfswerk UNICEF.

Sie hob hervor, daß die UN bis jetzt erst weniger als fünf Prozent der Mittel erhalten hat, die für die mit HIV-AIDS lebenden Menschen in den von der Dürre betroffenen Gebieten benötigt werden. "Die letzten Daten bezeugen, daß wir mehr tun müssen , um sicherzustellen, dass verwaiste Kinder ermittelt werden und entsprechende Hilfe bekommen. Die geringe Antwort auf den UN Aufruf hat außerordentlich negative Auswirkungen auf unsere Möglichkeiten, dieser Situation zu begegnen.

" Man war sich allgemein darüber einig, dass ein besser koordinierter Vorstoß unternommen werden müsse, um zu sichern, dass die verwaisten Kinder Zugang zu den Sozialdiensten haben und vor Kindesmißbrauch und sexuellem Mißbrauch geschützt werden. "Auch die Möglichkeiten der Gemeinden müssen gestärkt werden", sagte Atieno Odenyo, ein UNICEF Mitarbeiter.

UNICEF unterstützt die MMCAS dabei, freie Gesundheitsversorgung für alle Waisenkinder bereitzustellen, indem sie einen Plan für 2003/04 entwickelt und sich für eine kindbezogene Gesetzgebung einsetzt. Machel betonte, daß es wichtig sei, Kindern Erbrechte zuzugestehen.

Sheila sagte den Teilnehmern, dass Schulbildung sehr wichtig sei. Obwohl sie bis jetzt noch kein Schuljahr versäumt habe und nun im siebenten Schuljahr sei, wäre es für ihre Mutter sehr schwierig, für all das Schulmaterial zu sorgen, das sie benötige.

Odenyo stimmte zu und sagte, wenngleich die unmittelbaren Nöte Vorrang hätten, "so wäre doch die Schulbildung besonders wichtig, da es sich hierbei um eine Lösung des Problems auf lange Sicht handele und die Zukunftschancen der Kinder sichere. "

Das Erziehungsministerium entwickelt einen Plan, verwaiste Kinder von den Einschreibegebühren zu befreien. Wenn sie auch gering sind, so sind sie doch für die meisten armen Familien noch immer unerschwinglich, zumal wenn sie neben ihren eigenen Kindern auch noch für Waisenkinder sorgen müssen.

Sheila war auch ärgerlich, als sie über die Stigmatisierung sprach: "Die Regierung muß sicherstellen, daß wir nicht wieder diskriminiert werden", sagte, sie. "Es passiert nämlich. Ich erinnere mich, daß ich zu meiner Freundin sprach und eine Frau sagte zu mir, ich solle den Mund halten. Sie sagte, ich sei ein Nichts, ich sei nur eine Waise."

[Bericht von einer UN IRIN Agentur, der jedoch nicht unbedingt die Ansichten der UN widerspiegelt. Für mehr Information bitte IRIN@ocha.unon.org oder http://irinnews.org anklicken. Bei Nachdruck, Kopieren Archivieren oder weiterreisenden, bitte diese Bemerkung unbedingt mit angeben. Bei kommerzieller Nutzung schriftliche Genehmigung von IRIN anfordern. - © UN Office for the Coordination of Humanitarian Affairs 2003]

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Neu an mosambikanischen Schulen!

Afrikanische Sprachen im Unterricht

Ein neues Curriculum für die Grundschulen hat Bildungsminister Alcido Nguenha im Oktober dem Parlament vorgestellt. Es soll im nächsten Januar in Kraft treten, und zu einer höheren, auf die Schüler ausgerichteten Qualität des Unterrichts beitragen. Auffälligste Veränderung im neuen Lehrplan ist die Einführung des Unterrichtes in den afrikanischen Muttersprachen der Kinder. Verschiedene Sprachmodelle waren vorab in 43 Schulen getestet worden. Bilingualer Unterricht führte schon in diesen Versuchsreihen zu großer Beteiligung am Lernen. Künftig werden die Kinder mit dem Lernen in ihrer Sprache beginnen und Portugiesisch als eine Fremdsprache lernen. Es werde aber niemand, dessen Muttersprache Portugiesisch ist, gezwungen, eine afrikanische Sprache zu lernen.

Andere Veränderungen beinhalten die Einführung des Englischunterrichts in den Grundschulen und die Einführung von Fächern, in denen künstlerische und handwerkliche Fähigkeiten praktisch erworben werden können. Auch die moralische und staatsbürgerliche Erziehung soll künftig eine größere Rolle spielen.
aus der Nachrichtenübersicht von Matthias Voss